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theater hören berlin Posts

Theater um digitale Barrierefreiheit

Posted in Barrierefreiheit im Theater

„Video – Deutsche Oper Berlin, JavaScript:/, Video Player Region, leere Region, Video Player Region Ende, images/img-play, Lieblingsstücke … Bodypercussion“ So ungefähr hörte sich die Video-Seite der Deutschen Oper Berlin noch im Juni 2020 an, als ich sie mit meiner Sprachausgabe bzw. meinem Screenreader durchgegangen bin. Als Blinde arbeite ich mit einem Hilfsprogramm namens JAWS, das mir ermöglicht, einen Computer zu bedienen, ohne die Maus zu benutzen. Stattdessen navigiere ich Webseiten mit Tastenbefehlen. So bringt mich die Taste „H“ im Internet zur nächsten Überschrift, „B“ zum nächsten Schalter, „G“ zur nächsten Grafik usw. Eine nette Computerstimme liest dann vor, was an…

Der Ton macht die Musik – auch bei Audiodeskription

Posted in Interviews

Auch bei Audiodeskription spielt der Ton eine wichtige Rolle. In einem Interview verrät Felix Koch, freier Musiker und Kulturarbeiter, was Musik und Audiodeskription gemeinsam haben. Als Audiodeskriptor für den BSA hat er unter anderem an der Beschreibung der Oper „Jenufa“ mitgeschrieben. LAVINIA: Wie bist du eigentlich zum Theater gekommen? FELIX: Das ist auch eine relativ komplizierte Geschichte, weil ich nach Berlin gekommen bin, um Sozial- und Kulturanthropologie und Geschichte an der FU Berlin zu studieren. Der zweite Grund nach Berlin zu ziehen, war für mich die große experimentelle Musikszene. Neben dem Studium habe ich relativ viel Musik gemacht, aber eher…

7 Kriterien für Audiodeskription als Livestreams

Posted in Die besten Listen

Vor einigen Monaten habe ich bereits einmal über 7 Voraussetzungen für eine perfekte Audiodeskription geschrieben. Das war im April, als uns der Lockdown gerade so richtig im Klammergriff hielt. Obwohl die Berliner Bühnen inzwischen teilweise wieder öffnen, gibt es gute Argumente, auch ein digitales Programm weiteranzubieten. Dazu zählen die lokale und zeitliche Ungebundenheit digitaler Angebote, die Reichweite dieses Mediums und das riesige Angebot an Theaterstücken. Mehrmals haben wir im Theaterclub darüber diskutiert, wie unvergleichlich das „richtige“ Theatererlebnis ist. Auf keinen Fall möchten wir auf die bequemen Plätze, die Aufregung vor Beginn des Stückes oder das gemeinschaftliche Kulturerlebnis verzichten. Das Beste…

Eine Performance, die die Scham ins Rampenlicht stellt

Posted in Theaterrezension

Wenn ihr schon immer mal sehen wolltet, wie eine Tanzperformance mit Audiodeskription sein kann, hört mal in „School of Shame“ rein. „Du solltest dich was schämen!“ Wie oft haben wir diesen Satz von Eltern und Autoritätspersonen gehört? „School of Shame“ ist eine Musical-Performance des Tanzlabor Leipzig in Kooperation mit dem Performance-Kollektiv POLYMORA Inc. Hier befassen sich fünf diverse PerformerInnen – Jana Zöll, Jutta Tille, Aisha Konaté, Mono Welk, Alexandra Schwartz – mit der Scham und ihrer Überwindung. Diese sitzen unter anderem im Rollstuhl, sind androgyn gekleidet oder haben dunkle Haut. „School of Shame“ ist eine abwechslungsreiche Musical-Performance, die zeigt, auf…

Erste Spielzeit „Theater Hören Berlin“ … Ein paar Gedanken von mir…

Posted in Gastbeitrag

Es war eine tolle erste Saison dieses wunderbaren Projektes. Mehrfach habe ich mich schon bedankt und möchte es aus vollem Herzen noch einmal tun. Von der Idee, dem Konzept, der Auswahl der Kooperationspartner und Stücke, der Umsetzung der Audiodeskription bis hin zur Präsentation im Internet und dem Knüpfen eines Netzwerkes rund um das Thema. Es ist so gelungen und hat mich persönlich auf mehreren Ebenen angesprochen und begeistert. Als Nutzerin kam ich teilweise im Tempo gar nicht hinterher. Auch die Umsetzung von Ideen, die während der Projektzeit aufgrund der Herausforderungen durch „Corona“ entstanden sind, sowie die Etablierung eines Podcasts und…

Ein Jahr Berliner Spielplan Audiodeskription – in Zahlen und nackten Fakten

Posted in Veranstaltungsbericht

In unserem dritten Theaterclub am 28. Juni 2020 haben wir ein Jahr Berliner Spielplan Audiodeskription (BSA) Revue passieren lassen. In Über-, Rück- und Ausblicken haben wir über die aktuellsten Online-Theaterstücke gesprochen und auch die Zeit vor und nach Corona nicht unerwähnt gelassen. Dabei haben wir uns auch die Meinungen der blinden und sehbehinderten TheatergängerInnen angehört. Zahlen und Nackte Zwei Männer, die sich nackt über eine Bühne wälzen. Das war meine erste Erfahrung mit Audiodeskription (AD) im Theater. Das war im Juni 2019 bei „Glory“ in den Sophiensälen. Nun ja, Tanztheater ist immer etwas abstrakt, habe ich mir gedacht und mich…

Max und Moritz – nichts für Kinder

Posted in Theaterrezension

Wenn man sich Märchen ansieht, mag man oft kaum glauben, dass sie für Kinder gedacht sind. Da werden alte Frauen in den Backofen geschoben (Hänsel und Gretel), Wölfe mit Steinen gefüllt und im Brunnen versenkt (Rotkäppchen), Kinder gegen Salat eingetauscht (Rapunzel) und Töchter mit ihren Vätern verheiratet (Allerleirau). Ähnlich brutal geht es auch bei Wilhelm Buschs bekannten Lausbubengeschichten über „Max und Moritz“ zu. Menschen necken, Tiere quälen, Äpfel, Birnen, Zwetschgen stehlen. Das und noch viel mehr lassen sich die beiden Lausbuben Max und Moritz einfallen. Antú Romero Nunes beschäftigt sich in seiner Theateradaption auf sehr plastische und bildhafte Weise mit…

Theater als Hörspiel: „Das Weiße Rössl am Central Park“

Posted in Theaterrezension

„Die Hendl, die fetten, gibt’s net in Manhattan“ Was passiert, wenn eine österreichische Operette wie „Im Weißen Rössl“ über den großen Teich flüchtet? Im Falle Jimmy Bergs und vieler anderer deutsch-jüdischer Flüchtlinge im zweiten Weltkrieg wird sie zu einer Hommage an Heimatnostalgie und Fluchterfahrungen. „Das Weiße Rössl am Central Park“ wird im April 2019 von Johannes Müller und Philine Rinnert als Musikabend wieder aufgenommen. Aus ihren gesammelten Recherchematerialien erstellen sie eine Collage von Briefen, Gedichten, Programmheften, Tonaufnahmen und Interviews – das Ganze nun zusammengefasst als Hörspiel. Das Hörspiel erzählt die Geschichte von Heimatlosigkeit und Sehnsucht. Szymon Weinberg wird in der…

Metropolis im Theater: Die Audiodeskription ist zweigeteilt

Posted in Theaterrezension

Wer zur Unterschicht gehört, muss Tag und Nacht schuften. Wer zur Oberschicht gehört, kann sich in Gärten vergnügen und in Clubs berauschen lassen. Die „Metropolis“-Inszenierung des Schauspiel Leipzig greift das Thema des gleichnamigen Romans von Thea von Harbou und des bekannten Stummfilms von Fritz Lang auf und verarbeitet ihn in einem ereignisreichen Theaterstück. Metropolis ist eine gigantische Stadt, in der Unter- und Oberschicht streng voneinander getrennt sind. Während sich die Oberschicht, angeführt von Joh Fredersen, dem Vergnügen hingibt, muss die Unterschicht Tag und Nacht an unterirdischen Maschinen arbeiten. Freder ist der Sohn des Oligarchen Joh Fredersen. Er verliebt sich in…

Jenufa mit Audiodeskription verdient das Wort „Kunstwerk“

Posted in Theaterrezension

Zwei Stunden Oper und das auch noch auf Tschechisch? Zuerst klingt das nicht besonders spannend, aber „Jenufa“ von Leos Janácek ist gerade wegen der lebhaften Beschreibung von Anke Nicolai und Nadja Schulz-Berlinghoff den zweiten Blick bzw. das offene Ohr wert. Eigentlich sollte die „Zauberflöte“ von Mozart die erste Oper mit Audiodeskription in der Deutschen Oper Berlin sein. Der Text war fertig, die Termine gesetzt. Und dann kam der Lock-Down… Statt der „Zauberflöte“ feiert die Deutsche Oper nun mit einem anderen Werk ihre Premiere. In der Jenufa- Inszenierung von Christoph Leu stehen enttäuschte Liebe, Kindsmord und Angst vor gesellschaftlicher Schande in…