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theater hören berlin Posts

Pythonparfum und Pralinen aus Pirgendwo

Posted in Theaterrezension

Vor einem Jahr an Weihnachten hatte es nicht geklappt, das Stück „Pythonparfum und Pralinen aus Pirgendwo“ von Gregory Caers live am Theater an der Parkaue und noch dazu mit Audiodeskription zu zeigen. Stattdessen mussten wir uns mit einer Online-Variante begnügen. Die war zwar durchaus farbenfroh gestaltet, besonders durch den Klangteppich, der von Tanja Parnier unter das Stück gelegt wurde, aber als Aufnahme ging doch einiges von der Dynamik und Präsenz der Figuren verloren. 2021 wurde das Stück zu Weihnachten erneut gezeigt – diesmal mit einer Tastführung im Theater und Live-Publikum. Die Audiodeskription wurde von Joyce Ferse gesprochen. Vor Ort ist…

„Baby Choir“: Audiodeskription im Entstehungsprozess einer Performance

Posted in Theaterrezension

Ich schwanke zwischen Ekel und Faszination. Nach fast zwei Jahren bin ich einmal wieder live in den Sophiensälen. Ich schaue mir die Performance „Baby choir“ von Suvi Kemppainen und Josefine Mühle an. Das Besondere an dieser Performance ist, dass die Audiodeskriptor*innen Pernille Sonne und Emmilou Rößling am Entstehungsprozess der Performance teilhaben. Sie lernen also das Stück früh kennen und können ihre Beschreibung mit Hintergrundwissen bereichern. Nur eine verrottende Blume? Da bin ich aber beruhigt! Während andernorts Tastführungen coronabedingt ausfallen müssen, darf ich unter Einhaltung von 2G und mindestens „Vier ++“ Kostüme, Bühne und die vorhandenen Requisiten haptisch in Augenschein nehmen.…

Jahresrückblick 2021

Posted in Allgemein

Es ist traditionell, dass man am Ende eines jeden Jahres mit Rückblicken und guten Vorsätzen bombardiert wird. Was ist gut gelaufen und was wird nächstes Jahr genauso gut, wenn nicht noch besser, laufen. In diesem Beitrag möchte ich euch und mich noch einmal an die Theaterstücke mit Audiodeskription erinnern, die im Rahmen des Berliner Spielplan Audiodeskription (BSA) oder durch unsere Mitwirkung entstanden ist. Einen guten Rutsch! Pythonparfum und Pralinen aus Pirgendwo „Ein wortarmes Familienstück wird farbenfroh“ Was packst du in deinen Koffer? Einen Sturm? Den Tod? Einen Fallschirm? Oder doch nur einen gewöhnlichen Juckreiz? Kuriose Gestalten, die des Nachts ein…

Saalprüfung von „Die Zauberflöte“ mit Audiodeskription an der Deutschen Oper

Posted in Theaterrezension

Wie verläuft eigentlich die Generalprobe eines Stückes mit Audiodeskription? In mehreren Interviews mit Charlotte Miggel, Jutta Polic und Pernille Sonne haben wir bereits viel darüber erfahren, wie der Entstehungsprozess einer Audiodeskription vonstattengeht: Eine sehende Autorin schreibt die Audiodeskription. Eine zweite sehende und mindestens eine blinde oder sehbehinderte Autorin redigieren das Skript. Sobald der Text fertig ist, findet darüber hinaus eine Saalprüfung statt. In der Saalprüfung testet wiederum mindestens eine blinde oder sehbehinderte Person das Stück mit Audiodeskription. Es ist die Generalprobe für die Beschreiber*innen. Heute bin ich als Prüferin für die Oper „Die Zauberflöte“ mit Audiodeskription an der Deutschen Oper…

„Und man sieht nur die im Lichte. Die im Dunkeln sieht man nicht.“

Posted in Theaterrezension

Zugegebenermaßen habe ich nach der alten Aufnahme von „Mutter Courage“, die wir vor einem Jahr mit Audiodeskription gezeigt haben, gewisse Vorbehalte gegenüber der „Dreigroschenoper“. Adjektive wie langatmig und alt sind mir auf jeden Fall durch den Kopf geschossen. Schließlich konnte man der „Mutter Courage“ ihr Alter anmerken, besonders wegen der Aufnahmequalität und der schnarrenden Stimmen der Schauspieler*innen. Als ich dann aber am 28. November im Berliner Ensemble sitze, fallen mir ganz andere Wörter ein: Sozialkritisch, aktuell und wundervoll gesungen und gesprochen sind auf jeden Fall darunter. Ich habe einen tollen Theaterabend, und falls ihr mir glaubt, ohne den ganzen Beitrag…

Audiodeskription – mehr als reine Beschreibung

Posted in Interviews

Diese Stimme bekommt das Publikum der Audiodeskription nie zu hören. Ich habe bereits einen Beitrag über die Stimmen unserer sehenden Audiodeskriptor*innen geschrieben. Wer jedoch fast immer im Hintergrund bleibt, sind die blinden und sehbehinderten Autor*innen. Am 17. November führe ich deshalb ein Interview mit Pernille Sonne, einer blinden Autorin für Audiodeskription, die seit Jahren für das Schauspiel Leipzig an Live-Beschreibungen für Blinde und Sehbehinderte mitwirkt. Sie erzählt mir unter anderem, inwiefern Audiodeskription manchmal sogar zu viel beschreibt. Lavinia: Du bist aus Dänemark. Wie bist du denn in Leipzig gelandet? Pernille: 1989 habe ich in Deutschland ein soziales Jahr gemacht. Da…

Was kann man blind?

Posted in Barrierefreiheit im Theater, and Theaterrezension

Ein Mann fragte mich vor Kurzem auf einem Bahnsteig: „Und, wie ist es, blind zu sein?“ Es gehört zu meinem Job, Fragen zu Blindheit und Sehbehinderung zu beantworten, zu sensibilisieren, auf Barrierefreiheit zu testen und insbesondere Theater auf Hindernisse aufmerksam zu machen. Trotzdem kann ich die Frage, wie es ist, blind zu sein, ebenso wenig beantworten, wie der Mann am Bahnsteig mir meine Frage beantworten konnte: „Und wie ist es, sehend zu sein?“ Ich kann nur von meiner persönlichen Erfahrung berichten. Die ist sicherlich auf viele andere blinde und sehbehinderte Menschen anwendbar, aber nicht auf alle. In diesem Beitrag möchte…

Ist die Webseite des Berliner Ensemble barrierefrei?

Posted in Barrierefreiheit im Theater, and Theaterrezension

Die Tage werden kürzer, aber die Liste von Theaterstücken mit Audiodeskription in Berlin wird länger: „Woyzeck Interrupted“, „Don Quijote“ und „Frankenstein“ am Deutschen Theater, „Die Dreigroschenoper“ am Berliner Ensemble, „Pythonparfum und Pralinen aus Pirgendwo“ am Theater an der Parkaue und „Die Zauberflöte“ an der Deutschen Oper. Letzte Woche habe ich durch die Ticket-Webseite „Reservix“ navigiert und bin letztlich an der Platzwahl gescheitert. Heute möchte ich mir und euch zeigen, wie einfach oder schwer die Ticketbestellung für die Dreigroschenoper am 28.11. und 15.12.2021 funktioniert. Ich bin gespannt. Die erste Google-Suche Der Einfachheit halber gebe ich „Dreigroschenoper Audiodeskription Berliner Ensemble“ auf Google…

Wie Blinde an der Ticketbestellung scheitern

Posted in Theaterrezension

Wer an Theaterstücken, Konzerten, Filmen oder sonstigen Kulturveranstaltungen teilnehmen möchte, muss zuallererst eines tun: ein Ticket kaufen oder zumindest reservieren. Einfach und bequem kann man von zu Hause aus eine Eintrittskarte kaufen und muss dann nur noch hingehen. Ganz so einfach ist es aber für Screenreader-Nutzer*innen, die sich den Inhalt einer Webseite über eine Sprachausgabe vorlesen lassen, nicht. Zudem scheint jedes Theater, Konzerthaus und Museum ein anderes Ticket-Portal zu verwenden. Das bedeutet, dass ich mir als blinde Zuschauerin all diese Webseiten aneignen muss, um ein Konzert, Theaterstück oder eine Oper zu besuchen. Eine halbe Stunde kann das für eine Unterseite…

Die Stimmen des Berliner Spielplan Audiodeskription

Posted in Theaterrezension

Oft bleiben sie eine Stimme im Ohr: Die Audiodeskriptor*innen des Berliner Spielplan Audiodeskription. Ohne ihre Stimmen wären jedoch die Requisiten, Kostüme sowie die Mimik und Gestik der Schauspieler*innen für ein blindes und sehbehindertes Publikum nicht nachvollziehbar. Ein Theaterstück kann sehr kurz sein, zwischen fünfundvierzig und sechzig Minuten. Es kann aber auch sehr lang sein – bis zu drei Stunden, manchmal mehr. In dieser Zeit einer Beschreiberin oder einem Beschreiber zuzuhören, deren oder dessen Stimme quäkig, kratzig, quietschig oder auf irgendeine unangenehme Weise auffällt, ist eine Tortur. Deshalb werden die Sprecher*innen der Audiodeskription nicht zuletzt wegen ihrer angenehmen Stimmen ausgewählt. Wenn…