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Kategorie: Theaterrezension

nur durch die Bloggerin erstellte Rezensionen zum Thema Theater

Was kann man blind?

Posted in Barrierefreiheit im Theater, and Theaterrezension

Ein Mann fragte mich vor Kurzem auf einem Bahnsteig: „Und, wie ist es, blind zu sein?“ Es gehört zu meinem Job, Fragen zu Blindheit und Sehbehinderung zu beantworten, zu sensibilisieren, auf Barrierefreiheit zu testen und insbesondere Theater auf Hindernisse aufmerksam zu machen. Trotzdem kann ich die Frage, wie es ist, blind zu sein, ebenso wenig beantworten, wie der Mann am Bahnsteig mir meine Frage beantworten konnte: „Und wie ist es, sehend zu sein?“ Ich kann nur von meiner persönlichen Erfahrung berichten. Die ist sicherlich auf viele andere blinde und sehbehinderte Menschen anwendbar, aber nicht auf alle. In diesem Beitrag möchte…

Ist die Webseite des Berliner Ensemble barrierefrei?

Posted in Barrierefreiheit im Theater, and Theaterrezension

Die Tage werden kürzer, aber die Liste von Theaterstücken mit Audiodeskription in Berlin wird länger: „Woyzeck Interrupted“, „Don Quijote“ und „Frankenstein“ am Deutschen Theater, „Die Dreigroschenoper“ am Berliner Ensemble, „Pythonparfum und Pralinen aus Pirgendwo“ am Theater an der Parkaue und „Die Zauberflöte“ an der Deutschen Oper. Letzte Woche habe ich durch die Ticket-Webseite „Reservix“ navigiert und bin letztlich an der Platzwahl gescheitert. Heute möchte ich mir und euch zeigen, wie einfach oder schwer die Ticketbestellung für die Dreigroschenoper am 28.11. und 15.12.2021 funktioniert. Ich bin gespannt. Die erste Google-Suche Der Einfachheit halber gebe ich „Dreigroschenoper Audiodeskription Berliner Ensemble“ auf Google…

Wie Blinde an der Ticketbestellung scheitern

Posted in Theaterrezension

Wer an Theaterstücken, Konzerten, Filmen oder sonstigen Kulturveranstaltungen teilnehmen möchte, muss zuallererst eines tun: ein Ticket kaufen oder zumindest reservieren. Einfach und bequem kann man von zu Hause aus eine Eintrittskarte kaufen und muss dann nur noch hingehen. Ganz so einfach ist es aber für Screenreader-Nutzer*innen, die sich den Inhalt einer Webseite über eine Sprachausgabe vorlesen lassen, nicht. Zudem scheint jedes Theater, Konzerthaus und Museum ein anderes Ticket-Portal zu verwenden. Das bedeutet, dass ich mir als blinde Zuschauerin all diese Webseiten aneignen muss, um ein Konzert, Theaterstück oder eine Oper zu besuchen. Eine halbe Stunde kann das für eine Unterseite…

Die Stimmen des Berliner Spielplan Audiodeskription

Posted in Theaterrezension

Oft bleiben sie eine Stimme im Ohr: Die Audiodeskriptor*innen des Berliner Spielplan Audiodeskription. Ohne ihre Stimmen wären jedoch die Requisiten, Kostüme sowie die Mimik und Gestik der Schauspieler*innen für ein blindes und sehbehindertes Publikum nicht nachvollziehbar. Ein Theaterstück kann sehr kurz sein, zwischen fünfundvierzig und sechzig Minuten. Es kann aber auch sehr lang sein – bis zu drei Stunden, manchmal mehr. In dieser Zeit einer Beschreiberin oder einem Beschreiber zuzuhören, deren oder dessen Stimme quäkig, kratzig, quietschig oder auf irgendeine unangenehme Weise auffällt, ist eine Tortur. Deshalb werden die Sprecher*innen der Audiodeskription nicht zuletzt wegen ihrer angenehmen Stimmen ausgewählt. Wenn…

Nicht nur für kleine Naturschützer*innen: „Als die Tiere den Wald verließen“. Kinderstück mit Audiodeskription in der Schaubude Berlin.

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Allgemein gehe ich ins Theater, um etwas zu erleben – und zwar durchaus im wörtlichen Sinn. Ich liebe Theater dann am meisten, wenn es etwas mit meinen Gefühlen macht. Am Nachmittag des 19ten September 2021 zeigt die Schaubude Berlin das Stück „Als die Tiere den Wald verließen“ für Kinder ab acht Jahren. Und da ich, genau wie auch Lavinia, im Inneren ein großes Kind bin, überlege ich nicht lange, als Lavinia mich bittet, sie für den Blog zu vertreten, und sage zu. Die Schaubude zeigt nach eigenen Angaben „die Sicht der Dinge auf die Welt“ – denn hier stehen keine…

Zum Beispiel Bienen: Ein Kinderstück mit Audiodeskription

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Die Bienen schwirren zum letzten Mal in diesem Jahr und das sowohl durch die kälter werdenden Tage Berlins als auch durch das Feldtheater für junges Publikum. In einem bunten, haptischen und  akustischen Schauspiel zeigt die Theatergruppe „Die Ordnung der Dinge“, wie abgestimmt die Arbeitsschritte der Bienen sind, was passiert, wenn eine neue Königin eintrifft und wie die Bienen sich ein neues Zuhause suchen. Das alles begleitet durch die Audiodeskription und Tastführung, die von Jutta Polic geleitet und eingesprochen wird. Ein echtes Dreamteam! Das Stück „Zum Beispiel Bienen“ zeigt die Arbeiten, die in einem Bienenstock tagtäglich anfallen. Die alte Königin ist…

Der Tod, beschrieben mit Audiodeskription

Posted in Theaterrezension

Der Tod ist nah – zumindest in dem Tanzfilm „Tanz vom Tod“, der zwischen dem 15. September und dem 15. Dezember 2021 online bereitsteht. Unter der Regie von Saskia Oidtmann befassen sich zehn Tänzer*innen mit einem Thema, das in den vergangenen anderthalb Jahren allgegenwärtig geworden ist, dem Tod. Auch blinde und sehbehinderte Zuschauer*innen können sich durch die Audiodeskription von Simone Detig und Gerald Pirner die Frage stellen: „Wie verhalten sich lebendige Körper an toten Orten?“ Eine Facette des Todes erkennen Eine Frau stößt einen stummen Schrei aus, eine andere wirft mit Kleidungsstücken, ein nackter Mann liegt auf dem kalten Boden,…

Audiodeskription als Stadtführung

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Funktioniert Audiodeskription auch draußen? Die Jugendtheaterwerkstatt Spandau öffnet wieder ihre Tore und diesmal geht es an die frische Luft der Spandauer Altstadt. Im Rahmen des Wanzenfestivals organisiert die JTW wieder einmal eine offene Audiodeskription, wie ich sie bereits ein Jahr zuvor beim „Herrn der Krähen“ erlebt habe. Eine offene Audiodeskription heißt, dass jeder die Live-Beschreibung hört, die an diesem Abend von Felix Koch eingesprochen wird. Es ist seine Stimme, die die ca. sechs blinden und sehbehinderten Zuschauer*innen durch das Stück „Die Wanze“ von Wladimir Majakowski führt. 13 Darstellerinnen spielen jeweils fünf Figuren Treffpunkt ist der Biergarten eines Cafés in Spandau.…

Alle Augen staunen: mit Audiodeskription ohne Inklusion

Posted in Theaterrezension

Können Blinde mit den Augen staunen? Am 20. August läuft im Rahmen von „Tanz im August“ die Kinder-Performance „Alle Augen staunen“ von Lea Moro im Radialsystem. Warum sich die Veranstalter von Tanz im August gerade für die Audiodeskription eines Stückes entschieden haben, bei dem das Sehen bereits im Titel steckt, darüber kann ich nur spekulieren. Ob meine Ohren staunen, wird sich noch zeigen. Welten in Rot und Blau „Alle Augen staunen“ zeigt Welten in Rot und Blau, in denen neugierige Kreaturen aus alten Decken, Schlafsäcken und Zelten herumschlängeln und -krabbeln. Sie entwickeln sich gemeinsam mit ihrer Welt, lernen, auf zwei…

A Crash Course in Cloudspotting – Erholung im Ohr

Posted in Theaterrezension

Wer von euch findet es erholsam, sich auf eine Parkbank, in eine öffentliche Toilette oder unter einen Busch im Regen zu legen? Menschen mit chronischen Schmerzen sind dazu gezwungen, sich auszuruhen, wenn ihr Körper es verlangt. Das bedeutet, dass sie sich die benötigte Erholung oft im öffentlichen Raum suchen müssen. Ein ungewöhnlicher Anblick für andere Menschen, und Reaktionen variieren auch von Verblüffung bis Genervtheit: „Hier können Sie sich aber nicht hinlegen!“ Mit diesem Thema beschäftigt sich die Online-Audio-Performance „A Crash Course in Cloudspotting“ von Raquel Meseguer Zafe in den Sophiensälen. Eine Gelegenheit zum Hinlegen An stressigen Tagen will man sich…