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Kategorie: Theaterrezension

nur durch die Bloggerin erstellte Rezensionen zum Thema Theater

Der Zwerg mit Audiodeskription: Die Musik rückt in den Hintergrund

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Was würdest du tun, wenn dein wahres Ich klein und hässlich ist, du dich aber selbst stark und wunderschön siehst? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Oper „Der Zwerg“ von Alexander von Zemlinsky in der Inszenierung der Deutschen Oper Berlin. Die Infantin Donna Clara feiert Geburtstag. Der Sultan schenkt ihr zu diesem Anlass einen kleinwüchsigen singenden Diener, den Zwerg. In den Augen aller ist er klein und hässlich. Da er sich selbst jedoch noch nie im Spiegel gesehen hat, hält er das Lachen, Schmunzeln und den Hohn der Geburtstagsgäste für den Beweis seiner Schönheit und Tapferkeit. „Ja, ich muss friedvoll…

Woyzeck Interrupted: Gewalt geht uns alle etwas an

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Morde an Frauen, Häusliche Gewalt oder auch nur durch den Lockdown bedingte gereizte Beziehungen. Das alles sind Themen, die durch Corona nicht etwa verschwinden, sondern verstärkt auftauchen. Wie präsent Gewalt an Frauen in unserer Gesellschaft ist, zeigt das Stück „Woyzeck Interrupted“ von dem iranischen Regisseur Amir Reza Koohestani nach Georg Büchner am Deutschen Theater Berlin auf besonders eindrucksvolle Weise. Ein Paar, das sich auseinandergelebt hat und doch dazu gezwungen ist, zu Hause zu bleiben und zusammenzuwohnen, bis einer von beiden auszieht. Marie und Woyzeck verstehen sich nicht mehr und die zunehmenden Spannungen zwischen dem ehemals glücklichen Paar steigern sich während…

Romeo und Julia mit Audiodeskription zum Lachen

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Die bekannteste und wohl tragischste Liebesgeschichte aller Zeiten reizt in der Inszenierung des Shakespeare’s Globe von 2019 eher zum Lachen als zum Weinen. Ich habe das Drama mit fünfzehn Jahren zum ersten und bislang einzigen Mal gelesen und obwohl ich mich damals darauf gefreut habe (schließlich ist es „die“ Liebesgeschichte), bin ich an der blumigen Sprache, den vielen Figuren und den Szenenwechseln kaum vorbeigekommen. Ich habe es fertiggelesen und seitdem nicht mehr angeschaut. Meine Erwartungen an diese Inszenierung waren also nicht hoch. Dementsprechend bin ich positiv überrascht. Das Stück ist witzig. Ich habe selten so viel gelacht, obwohl die Handlung…

Sind behinderte Menschen Monster oder Barbies?

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Unser Newsletter versorgt euch jeden Monat mit neuen Theaterstücken mit Audiodeskription! In Sachen Audiodeskription drücken die Sophiensäle gerade auf die Tube. Wieder einmal statten sie eine Live-Performance über ZOOM mit einer Beschreibung aus. Diesmal sehen wir die Lecture-Performance „Dis_Lecture“, die von Emilou Rößling live eingesprochen wird. Und das Ganze auch noch mit einer Audiodeskription in zwei Sprachen. Zwei Performer halten jeweils eine Vorlesung, in denen sie sich mit Behinderung auseinandersetzen. Die erste Performance ist „Flucht auf den Model-Planeten“, die zweite „On something very special“. Emilou spricht die erste Performance mit deutscher Sprache und die zweite auf Englisch ein. Ich kann…

Autismus mit Audiodeskription

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„Was ist bei denen anders?“ Das ist eine Frage, die sich behinderte und auch nicht-Behinderte Menschen, die mit ihnen in Berührung kommen stellen. Es ist die Frage, die sich das Stück „Vertigo“ des Theater THIKWA in Kreuzberg stellt. Vier Performer untersuchen Autismus und die Besonderheiten, die als Autist auf einen zukommt, wenn man sich zu anderen in Beziehung setzen soll. „Es ist nicht einfach, in einem Körper zu stecken, der Ja sagt, aber gleichzeitig auch Vielleicht.“ „Vertigo“ untersucht diese Unsicherheit mit Musik, Beatboxing, Interviews und Gegenständen. Zum ersten Mal stattet das Theater THIKWA eine Performance mit Audiodeskription aus mit Elena…

Sind inklusive Veranstaltungen über ZOOM möglich?

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Zeit für Experimente! In den vergangenen Monaten habe ich immer wieder beklagt, wie wenig sich Theater an inklusive Experimente heranwagen. Oft wurden lediglich Aufnahmen alter Theaterstücke hochgeladen. Gab es dann doch einmal Live-Experimente über Plattformen wie ZOOM waren diese oft visuell. Eine Ausnahme waren die Sophiensäle. Mit „No Limit“ haben sie im Juni 2020 eine Live-Performance mit Audiodeskription und Gebärdensprache versucht. Kurz vor Weihnachten erschien dann ein neues Experiment: „Running commentary on Dis Sylphide“ als ZOOM-Webinar mit Audiodeskription. In diesem digitalen Live-Format kommentieren internationale PerformerInnen das Video einer Aufführung von „Dis Sylphide“. von Saša Asentić & Collaborators. In der Performance…

Es war einmal eine Oper mit Audiodeskription

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„Könnt ihr diesmal nicht bei uns im Opernhaus lachen Müsst ihr anderswo eben das Beste draus machen.“ Kleine Kinder werden von einer kannibalistischen Hexe entführt. Das ist wohl kaum ein Thema, das zum Lachen ist. Trotzdem ist „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdink ein Klassiker unter den Kinderopern. Als Kind habe ich einmal eine Inszenierung davon gesehen. Das Einzige, was mir davon noch in Erinnerung ist, sind die pinken Haare der Hexe. Obwohl sie der Inbegriff des Bösen ist, ist ihre wilde Boshaftigkeit gerade das, was mir damals am meisten Spaß an der Oper gemacht hat. Das Gruseln ist das,…

Ein wortarmes Familienstück wird farbenfroh

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Was packst du in deinen Koffer? Einen Sturm? Den Tod? Einen Fallschirm? Oder doch nur einen gewöhnlichen Juckreiz? Kuriose Gestalten, die des Nachts ein Hotel heimsuchen. Ihr Gepäck verrät, woher sie kommen, aber nicht, wohin sie gehen. „Pythonparfum und Pralinen aus Pirgendwo“ ist in jeder Hinsicht ein bildhaftes Stück. Passend zu Weihnachten und Silvester stellt das Theater an der Parkaue sein erstes Familienstück mit Audiodeskription als Livestream zur Verfügung. Das Stück trägt ungemein zur weihnachtlichen Stimmung bei, ist ereignisreich, farbenfroh, frech und fantasievoll. Die Audiodeskription, gesprochen von Joyce Ferse, ist eine wundervolle Ergänzung für ein ansonsten wortarmes Stück. Der Inhalt…

„Mutter Courage“: Ein Klassiker mit Audiodeskription

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Es gibt keine bessere Zeit, um einen Klassiker nach dem anderen zu schauen. Die Weihnachtszeit ist gespickt mit Traditionen wie Kerzen anzünden, Weihnachtslieder singen, Geschenke einpacken, Geschenke auspacken und sich romantische, kitschige und anrührende Geschichten anzusehen und anzuhören. Nun ist weder kitschig noch romantisch. Es ist aber anrührend und ein Klassiker ist es allemal. Gerade jetzt, wo wir viel mehr Zeit an der Hand haben, als es normalerweise zu Weihnachten der Fall ist, was wäre besser, als sich ein dreistündiges Theaterstück von zu Hause aus anzusehen? Das Berliner Ensemble hat genau aus diesem Grund die historische Aufzeichnung von „Mutter Courage“…

Tanz zu abstrakt für Blinde?

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Ist Tanz zu abstrakt, um für jemanden, der schlecht oder gar nichts sieht, verständlich beschrieben zu werden? Das frage ich mich, als ich mir „It’s all forgotten now“ von der Kompanie Christoph Winkler anhöre. Die Performance wurde im November als Tanzfilm aufgenommen und steht jetzt als Version mit Audiodeskription auf der Vimeo-Seite der Sophiensäle zur Verfügung. Es soll eine Art Mix-Tape darstellen, eine Hommage an den Popkultur- und Kapitalismuskritiker Mark Fisher, der sich 2017 das Leben genommen hat. Die Performance ist komplex, und obwohl viele Bewegungen der TänzerInnen von der Audiodeskriptorin Xenia Taniko in Sprache übersetzt werden, bleibt ihr Sinn…