Direkt zum Inhalt

Kategorie: Theaterrezension

nur durch die Bloggerin erstellte Rezensionen zum Thema Theater

Es war einmal eine Oper mit Audiodeskription

Posted in Theaterrezension

„Könnt ihr diesmal nicht bei uns im Opernhaus lachen Müsst ihr anderswo eben das Beste draus machen.“ Kleine Kinder werden von einer kannibalistischen Hexe entführt. Das ist wohl kaum ein Thema, das zum Lachen ist. Trotzdem ist „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdink ein Klassiker unter den Kinderopern. Als Kind habe ich einmal eine Inszenierung davon gesehen. Das Einzige, was mir davon noch in Erinnerung ist, sind die pinken Haare der Hexe. Obwohl sie der Inbegriff des Bösen ist, ist ihre wilde Boshaftigkeit gerade das, was mir damals am meisten Spaß an der Oper gemacht hat. Das Gruseln ist das,…

Ein wortarmes Familienstück wird farbenfroh

Posted in Theaterrezension

Was packst du in deinen Koffer? Einen Sturm? Den Tod? Einen Fallschirm? Oder doch nur einen gewöhnlichen Juckreiz? Kuriose Gestalten, die des Nachts ein Hotel heimsuchen. Ihr Gepäck verrät, woher sie kommen, aber nicht, wohin sie gehen. „Pythonparfum und Pralinen aus Pirgendwo“ ist in jeder Hinsicht ein bildhaftes Stück. Passend zu Weihnachten und Silvester stellt das Theater an der Parkaue sein erstes Familienstück mit Audiodeskription als Livestream zur Verfügung. Das Stück trägt ungemein zur weihnachtlichen Stimmung bei, ist ereignisreich, farbenfroh, frech und fantasievoll. Die Audiodeskription, gesprochen von Joyce Ferse, ist eine wundervolle Ergänzung für ein ansonsten wortarmes Stück. Der Inhalt…

„Mutter Courage“: Ein Klassiker mit Audiodeskription

Posted in Theaterrezension

Es gibt keine bessere Zeit, um einen Klassiker nach dem anderen zu schauen. Die Weihnachtszeit ist gespickt mit Traditionen wie Kerzen anzünden, Weihnachtslieder singen, Geschenke einpacken, Geschenke auspacken und sich romantische, kitschige und anrührende Geschichten anzusehen und anzuhören. Nun ist weder kitschig noch romantisch. Es ist aber anrührend und ein Klassiker ist es allemal. Gerade jetzt, wo wir viel mehr Zeit an der Hand haben, als es normalerweise zu Weihnachten der Fall ist, was wäre besser, als sich ein dreistündiges Theaterstück von zu Hause aus anzusehen? Das Berliner Ensemble hat genau aus diesem Grund die historische Aufzeichnung von „Mutter Courage“…

Tanz zu abstrakt für Blinde?

Posted in Theaterrezension

Ist Tanz zu abstrakt, um für jemanden, der schlecht oder gar nichts sieht, verständlich beschrieben zu werden? Das frage ich mich, als ich mir „It’s all forgotten now“ von der Kompanie Christoph Winkler anhöre. Die Performance wurde im November als Tanzfilm aufgenommen und steht jetzt als Version mit Audiodeskription auf der Vimeo-Seite der Sophiensäle zur Verfügung. Es soll eine Art Mix-Tape darstellen, eine Hommage an den Popkultur- und Kapitalismuskritiker Mark Fisher, der sich 2017 das Leben genommen hat. Die Performance ist komplex, und obwohl viele Bewegungen der TänzerInnen von der Audiodeskriptorin Xenia Taniko in Sprache übersetzt werden, bleibt ihr Sinn…

Audiodeskription macht Zirkus

Posted in Theaterrezension

Die Amici Dance Theatre Company zeigt die Show „Tightrope“ mit englischer Audiodeskription! Zirkus kann man auch im „Lockdown Light“ machen. Die Amici Dance Theatre Company feiert 2020 ihr 40-jähriges Bühnenjubiläum. Wegen Covid-19 muss die Show leider digital stattfinden. Die Besetzung ist divers und besteht aus Sehbehinderten, Rollstuhlfahrern und Lernbehinderten zwischen 18 und 70 Jahren. Die englische Show „Tightrope“ unter der Regie von Michael Vale erzählt die Geschichte eines alternden Zirkus‘. Über Jahre haben die ArtistInnen zusammengehalten. Nun wollen sie noch einmal eine Performance zeigen – vielleicht zum letzten Mal? Nicht alle Tricks gelingen auf Anhieb Wie es sich für einen…

In der Schaubude geht es nur um das Eine

Posted in Theaterrezension

Es ist Donnerstagabend und alle BewohnerInnen von Haus Nr. 69 denken nur an das Eine. Darum geht es auch am 27. September 2020 in der Schaubude Berlin. Das große Thema des Abends lautet Sex und zwar in allen möglichen Varianten und Konstellationen. Josephine Hock inszeniert ein Puppenspiel der besonderen Art mit ihr selbst als einzige Schauspielerin. Sie spielt nicht nur alle Parteien der sechs Wohnungen, sondern auch die sich darin befindlichen Gegenstände, die aus nachvollziehbaren Gründen alle ebenfalls sehr daran interessiert sind, darüber mehr zu erfahren, was sie ansonsten nur observieren. Von der Topfpflanze über Hemden, Seil und Nudelholz bis…

Endlich wieder live im Theater!

Posted in Theaterrezension

Am 19. September bin ich endlich einmal wieder bei einer Theatervorstellung, die live im Theater stattfindet. „Herr der Krähen“ wird in der Jugendtheaterwerkstatt Spandau (JTW) gespielt und zwar mit offener Audiodeskription, die einmal nicht nur über Kopfhörer, sondern für alle ZuschauerInnen hörbar im ganzen Theatersaal zu hören ist. „Herr der Krähen“ basiert auf dem gleichnamigen Roman des kenianischen Autors Ngugi wa Thiong´o. Das Stück handelt von einem Land, das von einem Diktator regiert wird. Dieser hat es sich zum Ziel gesetzt, den größten Turm der Welt zu bauen. Gleichzeitig thematisiert die Geschichte die kleinen Probleme der einzelnen BürgerInnen, darunter Motorradfahrer,…

Eine Performance, die die Scham ins Rampenlicht stellt

Posted in Theaterrezension

Wenn ihr schon immer mal sehen wolltet, wie eine Tanzperformance mit Audiodeskription sein kann, hört mal in „School of Shame“ rein. „Du solltest dich was schämen!“ Wie oft haben wir diesen Satz von Eltern und Autoritätspersonen gehört? „School of Shame“ ist eine Musical-Performance des Tanzlabor Leipzig in Kooperation mit dem Performance-Kollektiv POLYMORA Inc. Hier befassen sich fünf diverse PerformerInnen – Jana Zöll, Jutta Tille, Aisha Konaté, Mono Welk, Alexandra Schwartz – mit der Scham und ihrer Überwindung. Diese sitzen unter anderem im Rollstuhl, sind androgyn gekleidet oder haben dunkle Haut. „School of Shame“ ist eine abwechslungsreiche Musical-Performance, die zeigt, auf…

Max und Moritz – nichts für Kinder

Posted in Theaterrezension

Wenn man sich Märchen ansieht, mag man oft kaum glauben, dass sie für Kinder gedacht sind. Da werden alte Frauen in den Backofen geschoben (Hänsel und Gretel), Wölfe mit Steinen gefüllt und im Brunnen versenkt (Rotkäppchen), Kinder gegen Salat eingetauscht (Rapunzel) und Töchter mit ihren Vätern verheiratet (Allerleirau). Ähnlich brutal geht es auch bei Wilhelm Buschs bekannten Lausbubengeschichten über „Max und Moritz“ zu. Menschen necken, Tiere quälen, Äpfel, Birnen, Zwetschgen stehlen. Das und noch viel mehr lassen sich die beiden Lausbuben Max und Moritz einfallen. Antú Romero Nunes beschäftigt sich in seiner Theateradaption auf sehr plastische und bildhafte Weise mit…

Theater als Hörspiel: „Das Weiße Rössl am Central Park“

Posted in Theaterrezension

„Die Hendl, die fetten, gibt’s net in Manhattan“ Was passiert, wenn eine österreichische Operette wie „Im Weißen Rössl“ über den großen Teich flüchtet? Im Falle Jimmy Bergs und vieler anderer deutsch-jüdischer Flüchtlinge im zweiten Weltkrieg wird sie zu einer Hommage an Heimatnostalgie und Fluchterfahrungen. „Das Weiße Rössl am Central Park“ wird im April 2019 von Johannes Müller und Philine Rinnert als Musikabend wieder aufgenommen. Aus ihren gesammelten Recherchematerialien erstellen sie eine Collage von Briefen, Gedichten, Programmheften, Tonaufnahmen und Interviews – das Ganze nun zusammengefasst als Hörspiel. Das Hörspiel erzählt die Geschichte von Heimatlosigkeit und Sehnsucht. Szymon Weinberg wird in der…