Direkt zum Inhalt

theater hören berlin Posts

Arbeitskultur in der freien Szene oder „Deinen Arsch abzuarbeiten, ist nicht nachhaltig.“

Posted in Veranstaltungsbericht

Die Kultur in Deutschland leidet. Das ist keine Neuigkeit. Jedoch lässt sich der Grund für die schwierige Situation vieler KünstlerInnen nicht ausschließlich auf Corona abwälzen, wie mir ein ZOOM-Webinar zum Thema Arbeitskultur in der Tanzszene gezeigt hat. Am 9. Januar 2021 veranstaltet der Verein „Zeitgenössischer Tanz Berlin“ im Rahmen der dreißigsten Tanztage eine digitale Zukunftswerkstatt in Form eines Panels. In diesem ersten Treffen geht es um Arbeitskultur in der Tanzszene und um die Ausarbeitung von Perspektiven für die zukünftige Zusammenarbeit. Als Panel-Gäste sind die PerformerInnen Angela Alves, Joana Tischkau, Frosina Dimovska und Dunja Crnjanski eingeladen. Ich bin eher durch Zufall…

Es war einmal eine Oper mit Audiodeskription

Posted in Theaterrezension

„Könnt ihr diesmal nicht bei uns im Opernhaus lachen Müsst ihr anderswo eben das Beste draus machen.“ Kleine Kinder werden von einer kannibalistischen Hexe entführt. Das ist wohl kaum ein Thema, das zum Lachen ist. Trotzdem ist „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdink ein Klassiker unter den Kinderopern. Als Kind habe ich einmal eine Inszenierung davon gesehen. Das Einzige, was mir davon noch in Erinnerung ist, sind die pinken Haare der Hexe. Obwohl sie der Inbegriff des Bösen ist, ist ihre wilde Boshaftigkeit gerade das, was mir damals am meisten Spaß an der Oper gemacht hat. Das Gruseln ist das,…

Ein wortarmes Familienstück wird farbenfroh

Posted in Theaterrezension

Was packst du in deinen Koffer? Einen Sturm? Den Tod? Einen Fallschirm? Oder doch nur einen gewöhnlichen Juckreiz? Kuriose Gestalten, die des Nachts ein Hotel heimsuchen. Ihr Gepäck verrät, woher sie kommen, aber nicht, wohin sie gehen. „Pythonparfum und Pralinen aus Pirgendwo“ ist in jeder Hinsicht ein bildhaftes Stück. Passend zu Weihnachten und Silvester stellt das Theater an der Parkaue sein erstes Familienstück mit Audiodeskription als Livestream zur Verfügung. Das Stück trägt ungemein zur weihnachtlichen Stimmung bei, ist ereignisreich, farbenfroh, frech und fantasievoll. Die Audiodeskription, gesprochen von Joyce Ferse, ist eine wundervolle Ergänzung für ein ansonsten wortarmes Stück. Der Inhalt…

„Mutter Courage“: Ein Klassiker mit Audiodeskription

Posted in Theaterrezension

Es gibt keine bessere Zeit, um einen Klassiker nach dem anderen zu schauen. Die Weihnachtszeit ist gespickt mit Traditionen wie Kerzen anzünden, Weihnachtslieder singen, Geschenke einpacken, Geschenke auspacken und sich romantische, kitschige und anrührende Geschichten anzusehen und anzuhören. Nun ist weder kitschig noch romantisch. Es ist aber anrührend und ein Klassiker ist es allemal. Gerade jetzt, wo wir viel mehr Zeit an der Hand haben, als es normalerweise zu Weihnachten der Fall ist, was wäre besser, als sich ein dreistündiges Theaterstück von zu Hause aus anzusehen? Das Berliner Ensemble hat genau aus diesem Grund die historische Aufzeichnung von „Mutter Courage“…

Tanz und Audiodeskription: Wie beschreibt man das Unsichtbare?

Posted in Interviews

Tanz und Bewegungen auf einer Bühne bleibt für ein blindes Publikum unsichtbar, für ein sehbehindertes unvollständig. Im fünften digitalen Theaterclub sprechen wir mit der Audiodeskriptorin, Choreografin und Performerin Xenia Taniko über die „(Un)Möglichkeit“, etwas so visuell und symbolisch geladenes wie Tanz in Sprache zu übersetzen. Im Folgenden könnt ihr das gekürzte Interview lesen. Lavinia: Wie bist du von einer Performerin zu einer Audiodeskriptorin geworden? Xenia: Ich habe Anfang 2019 einen Workshop mit dem Choreographen Jess Curtis gemacht. Er arbeitet hier in Berlin und in San Francisco und hat einen Workshop angeboten, indem er über zwei Tage hinweg, PerformerInnen in die…

Tanz zu abstrakt für Blinde?

Posted in Theaterrezension

Ist Tanz zu abstrakt, um für jemanden, der schlecht oder gar nichts sieht, verständlich beschrieben zu werden? Das frage ich mich, als ich mir „It’s all forgotten now“ von der Kompanie Christoph Winkler anhöre. Die Performance wurde im November als Tanzfilm aufgenommen und steht jetzt als Version mit Audiodeskription auf der Vimeo-Seite der Sophiensäle zur Verfügung. Es soll eine Art Mix-Tape darstellen, eine Hommage an den Popkultur- und Kapitalismuskritiker Mark Fisher, der sich 2017 das Leben genommen hat. Die Performance ist komplex, und obwohl viele Bewegungen der TänzerInnen von der Audiodeskriptorin Xenia Taniko in Sprache übersetzt werden, bleibt ihr Sinn…

Ticket für schlechte Barrierefreiheit im Netz

Posted in Barrierefreiheit im Theater

Wer als Blinder durchs Internet scrollt, bekommt über seine Sprachausgabe bzw. seinen Screenreader viele Details vorgelesen. Leider sind das oft auch solche Details, die mehr verwirren als offenbaren. Das macht das Bestellen von Artikeln und das Buchen von Veranstaltungstickets zur unüberwindlichen Herausforderung. In einem früheren Beitrag bin ich schon einmal auf Barrierefreiheit im Netz eingegangen. Diesmal möchte ich darüber sprechen, wie schlechte Barrierefreiheit im Kulturbereich konkret aussieht und welche Lösungsansätze es gibt. Schnell und einfach? Vielleicht für Sehende! Die Plattform „Berlin-Bühnen“ sammelt Theatervorstellungen aus ganz Berlin und ermöglicht es mithilfe eines Filters und Kalenders dadurch, schnell und einfach eine Veranstaltung…

„Wir versuchen, mit Sprache ein Bild in euren Köpfen entstehen zu lassen.“

Posted in Interviews

Audiodeskription ist eine Art Übersetzung. So zumindest beschreibt es die Audiodeskriptorin Charlotte Miggel. Als Lektorin und Übersetzerin ist es ihr besonders wichtig, Bilder so in Sprache zu übersetzen, dass ein blindes und sehbehindertes Publikum einem Theaterstück gut folgen kann. Seit 2019 verfasst sie Audiodeskriptionen unter anderem für den „Berliner Spielplan Audiodeskription“ und war z.B. in Stücken wie „Don Quijote“ zu hören. Lavinia: Was war denn beruflich gesehen deine größte Herausforderung seit dem Lockdown? Charlotte: Ich habe den ganzen November nur Audiodeskription für Filme gemacht. Theaterprojekte sind zwar geplant, aber da stecken sie noch in den Vorbereitungen, sodass es noch keine…

Audiodeskription lohnt sich immer: Interview mit Dramaturg Justus Rothlaender Teil 2

Posted in Interviews

Ein Theaterstück mit Bildern zum Hören wird demnächst im Theater an der Parkaue aufgeführt. Im zweiten Teil unseres Interviews mit dem Dramaturgen Justus Rothlaender sprechen wir über das Stück „Pythonparfum und Pralinen aus Pirgendwo“. Das Stück wird voraussichtlich am 20. Dezember mit Audiodeskription gezeigt. LAVINIA: Hast du schon einmal ein Stück mit Audiodeskription mitbekommen? JUSTUS: Tatsächlich nur in der Audiodeskriptionsschulung im September 20202019. Wir haben mit kleinen Fragmenten gearbeitet und haben ausprobiert: Wie lassen sich bestimmte Szenen und Sequenzen beschreiben? Dann sind wir quer durch alle Genres gegangen, von der Oper, über das Ballett bis hin zum Sprechtheater. LAVINIA: Warum…

Inklusion am Theater an der Parkaue im Lockdown: Interview Dramaturg Justus Rothlaender Teil 1

Posted in Interviews

Wieder einmal geschlossene Türen im Theater. Leider bedeutet das in vielen Fällen, dass selbst an Theatern, die bereits die Wiedereröffnung planen, Inklusion oftmals in den Hintergrund rückt. Justus Rothlaender (Dramaturg am Theater an der Parkaue) berichtet in einem Interview von der momentanen Situation und was sein Haus in Sachen Barrierefreiheit geplant hat. LAVINIA: Was wäre deine größte Sorge, wenn das mit Corona erstmal so weiter geht und die Theater geschlossen bleiben müssten? JUSTUS: Es fühlt sich wie eine Bedrohung an. Man muss sagen, dass die freie Szene, die in Berlin ganz maßgeblich für eine kulturelle Bandbreite sorgt, sehr divers aufgestellt…