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Weihnachten mit Audiodeskription für die ganze Familie

Posted in Theaterrezension

„Seit einiger Zeit kommt dann und wann der kleine fette König Dezember II in mein Haus, der nicht länger ist als ein Zeigefinger und so fett, dass sein winziger roter Samtmantel mit dem dicken weißen Hermelinbesatz sich vor dem Bauch nicht mehr schließen lässt.“

– „Der kleine König Dezember“ von Axel Hacke –

Eine Vorstellung, auf die ich mich zugegebenermaßen schon seit Langem gefreut habe, war „Der kleine König Dezember“ mit Audiodeskription. Das Deutsche Theater Berlin führte das Kinderbuch von Axel Hacke als Familientheaterstück am 8. Dezember auf. Die Geschichte dreht sich um einen mittelalten durchschnittlichen Mann, von Beruf Insbürogeher, der eines Tages Besuch vom kleinen König Dezember II. bekommt. Dieser wohnt in der Welt hinter dem Regal, wo alle Leute groß geboren werden und im Laufe des Lebens immer kleiner werden. Am Ende ihres Lebens erwartet sie die Kindheit, wo sie den ganzen Tag spielen und Fragen stellen dürfen. Durch seinen kindlichen Eifer und die seine Körpergröße weit übersteigende Fantasie lehrt der kleine König seinen großen Freund, wieder seine Fantasie zu benutzen. Ein niedliches, wunderbar fantasiereiches und weihnachtliches Theaterstück mit Audiodeskription für die ganze Familie.

Ein Schrank, der viel kann

Bevor das Stück losging, bekamen wir die Gelegenheit, Kostüme, Requisiten und Kulissen zu befühlen. Darunter befanden sich die lockige Perücke des kleinen Königs Dezember mit drei Kronen und sein samtener gelber Mantel, die bei dem kleinen König so beliebten Gummibärchen und ein langer Drachenschwanz, der mit farbigen Pailletten geschmückt war. Das Bühnenbild bestand aus einem großen Schrank mit einem Sims zum Sitzen. Die Besonderheit war, dass der Schrank sich drehen ließ. Auf der anderen Seite kam dabei das Zimmer des kleinen Königs zum Vorschein. Statt eines Schranks gab es hier eine Art Apothekenregal mit 80 Fächern, von denen sich einige öffnen ließen. Über eine Leiter konnte man auf den Schrank klettern. Ein Highlight der Tastführung bestand für die Kinder (und zugegebenermaßen auch für mich) darin, auf dem Sims des Schranks zu sitzen, während er sich drehte. Zusätzlich konnten die Schranktüren heruntergeklappt werden. Das Innere war als glitzernder Sternenhimmel gestaltet.

Audiodeskription für die ganze Familie

Da „Der kleine König Dezember“ großteils aus Dialogen mit wenig Handlung besteht, war die Audiodeskription sehr entspannt. Abgesehen davon, dass einige Szenen beschrieben wurden, bevor sie geschahen, fügte sich die Stimme der Audiodeskriptorin sanft in das Geschehen ein und sorgte für eine märchenhafte Stimmung. Nur als die beiden ProtagonistInnen sangen habe ich mich gefragt, was sie während des Singens noch taten.

Blubbern, Drachengebrüll und vieles mehr

Aber nicht nur die Audiodeskription hat mich akustisch beeindruckt. Das Stück spielte mit vielen hörbaren Elementen. Als der König dem Mann seine Träume zeigte, wurden diese mit Klängen und Geräuschen untermalt. Einmal träumte er von einem Leben unter Wasser. Die Audiodeskriptorin beschrieb dabei die Schwimmbewegungen des Mannes und des kleinen Königs. Gleichzeitig war ein Blubbern zu hören, als wäre man tatsächlich unter Wasser. Als der König davon erzählte, wie Drachen alltäglich die Menschen davon abhalten wollen, ins Büro zu gehen, sah man einen Drachenschwanz und hörte das laute Brüllen des Drachens, auf das uns die Audiodeskriptorin freundlicherweise im Vorfeld hinwies, um einen Herzstillstand zu vermeiden.

Wir freuen uns auf weitere Theaterstücke mit Audiodeskription für die ganze Familie

Ein weihnachtliches Stück mit Audiodeskription für die ganze Familie war „Der kleine König Dezember“ wirklich. Das kindliche und zuweilen hyperaktive Verhalten des Königs mischte sich mit allerlei philosophischen Fragen nach dem Unterschied zwischen Wirklichkeit und Traum, die selbst das erwachsene Publikum zum Nachdenken anregte. Meine Lieblingsszene war die, in der die beiden in den Sternenhimmel schauten. Der Insbürogeher kam sich dabei klein, der kleine König hingegen so groß wie das ganze Universum vor.

Ich für meinen Teil war nach dieser Vorstellung in Weihnachtsstimmung. Jedenfalls hätte ich nichts gegen einen kleinen König unterm Weihnachtsbaum oder einen Drachen, der mich davon abhält, ins Büro zu gehen. Vielleicht gibt es im Januar noch eine Vorstellung des „Kleinen Königs Dezember“. In jedem Fall bringt das neue Jahr weitere Stücke mit Audiodeskription für die ganze Familie. Haltet auf jeden Fall Augen und besonders die Ohren offen, denn das neue Jahr hat sicherlich für jeden etwas zu bieten. Was das ist, könnt ihr in unserem Spielplan nachlesen. Ich wünsche euch eine wunderbare Vorweihnachtszeit.