„Willkommen zu ‚Mit Kai im Theater‘. In diesem Audioformat begleite ich Besucher*innen mit Sehbehinderung ins Theater, in Musicals oder Revuen – und danach plaudern wir einfach darüber.
In meiner zweiten Folge war ich gemeinsam mit Irma unterwegs. Wir haben uns die Inszenierung der ‚Dreigroschenoper‘ beim Theatertreffen im Berliner Ensemble angeschaut – eines der berühmtesten Stücke von Bertolt Brecht, das 1928 uraufgeführt wurde und bis heute als ein sehr bedeutendes Werk der Theatergeschichte gilt. Die Geschichte handelt von Geld, Macht, Liebe und Moral, erzählt mit viel Ironie, und lädt die Zuschauer*innen dazu ein, in das Londoner Milieu der damaligen Zeit einzutauchen.“
Durch die Audiodeskription konnte Irma bereits viele Informationen über das Stück bekommen. Ich wollte ihren Eindruck aber noch ein wenig erweitern, indem ich auch die Umgebung und die Atmosphäre rund um den Theaterbesuch eingefangen habe.
Eindrücke vor der Vorstellung
Kai: Was soll ich dir sagen? Wie sind die Leute hier? Alle ordentlich am Fächeln, würde ich sagen. Und ja, hier ist das Personal in blauen Anzügen. Hier stehen jetzt alle. Die Abendsonne leuchtet irgendwie, der Himmel ist noch blau. Und die Leute sind alle ja… sommerlich entspannt. Wirklich alle, keiner irgendwie in Abendgarderobe oder so.
Irma: Ich genieße hier meistens die Musik. Manchmal diese Stimmung macht mich vergessen, dass ich irgendwelches Sujet folgen muss. Der Sujet ist ganz einfach, okay, alles ist bewusst, aber die Musik hier – wow! Ja.
Kai: Und wir haben tolle Stereoeffekte. Wenn du da vorne sitzt, du hörst da hinten und irgendwie auf der rechten Seite ist die Posaune, kommt ganz hinten so, wo man wirklich einen totalen Raumklang hat, ne?
Irma: Mein Lieblings… Schauspielerin war wirklich Polly. Wow, was sie mit der Stimme getan hat… war super schön.
Kai: Und schön gemischt. Manchmal ist es so Kabarettgesang und manchmal schon fast wie Oper, ne?
Irma: Ja, genau.
*(Applaus und Musik)*
Gespräch mit dem Audiodeskripteur
Die heutige Inszenierung wurde von Felix Koch audiodeskribiert. Wir hatten außerdem die Gelegenheit, mit ihm ein wenig ins Gespräch zu kommen.
Irma: Danke schön! Tolle Arbeit!
Felix: Danke, dass Sie dabei waren. Hat mich sehr gefreut.
Irma: Du hast es auch sehr theatralisch gemacht. …
Felix: Ja, ich habe es versucht, aber es ist bei dem Stück natürlich schwierig, weil es ist gar nicht so viel Platz auch, weil entweder ist die Musik zu laut oder es ist auch viel Gesang. Und dann ist es auch so kleinteilig. Die Leute, die das jedes Mal wieder ein bisschen anders machen, was eigentlich so schöne Details – wer grinst gerade fies oder so, ne?
Irma: Ja, aber offensichtlich, man muss auch atmosphärisch drin sein, und du hast das geschafft und das hat das sehr schön geklungen.
Felix: Ja? Okay, schön. Das freut mich. Am schwierigsten sind eigentlich die Stellen, wenn ich was vorher sagen muss, und dann passiert es nicht ganz oder dass ich schon weiß, es wird gleich passieren, es passiert doch anders und ich muss ganz schnell umformulieren und kriege dann aber nur die Hälfte gesagt von dem, was jetzt anders ist oder so. Also, das ist dann schon immer so trotzdem die Herausforderung.
Irma: Das war mein erster Theater-Spiel in Berlin, in Deutschland insgesamt, und das hat mich sehr beeindruckt. ich fühle mich sehr dankbar.
Felix: Ach toll, das freut mich sehr.
Eindrücke nach der Vorstellung
Kurz nach dem Ende des Stücks sitzen wir schließlich im Hof und plaudern über unsere Eindrücke.
Irma: Wie hat es dir gefallen?
Kai: Es war einfach witzig, dem Dirigenten zuzugucken. Der hatte so lange Haare, so Undercut, ne? Und eine Brille und irgendwie hat er immer so ganz große Gestik gemacht, wenn er aber die Musiker irgendwie einsetzen wollte. Das war… Man wusste nicht so, ist er 30 oder schon 53 oder so? Eine Mischung.
Beeindruckend war wirklich die Rumturnerei auf dem Gerüst.
Und na ja, ein paar Stücke halt wieder, wiedererkannt aus der Oper, ne? Die, die Jenny ist ein bisschen anstrengend gewesen, ja, aber die war halt super aufgekratzt, ne? Wo man denkt, was für welche Aufputschmittel hat sie denn genommen? Aber das war halt so ihre… Powerrolle irgendwie, ne?
Irma: Ich wollte wirklich etwas auch aufnehmen, das klang so schön, aber ich wusste nicht, ob ich das darf. Und deswegen habe ich das nicht getan, aber ja.
Kai: Was ich noch witzig fand, wie ich es dann zum Schluss gesehen habe: Da gab es eine Frau in der ersten Reihe, die hat dann dem Dirigenten auch noch mal irgendwann die Hand geschüttelt. Die hatte das Libretto auf den Knien und eine kleine, kleine LED-Lampe. Die hat dann einfach mitgelesen, weil man hier wirklich nicht alles verstehen konnte, dann, ne?
Irma: Ja, ansonsten ist, ist das wirklich hier wichtig, auch die Stimmung zu genießen und dieses imitierte Leben, nun, das hat mir auch, wie ich dir vorhin gesagt habe, viele philosophische Fragen gestellt. Ja, wie war es früher? Weil Brecht hat selbst diesen Spiel auch inszeniert und ich denke jetzt, welche Entscheidungen ihm waren wichtig oder was wurde jetzt in diesem modernen Theater mehr unterstrichen. Das war ein sehr toller Abend, wirklich.
Kai: Jetzt bleibt uns nur noch die Heimfahrt.
Kai: Das war „Mit Kai im Theater“. Tschüss, bis zum nächsten Mal!

