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Das Theatertreffen im Nachklang: Mit Kai im Theater bei „Il Gattopardo“

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Willkommen zu „Mit Kai im Theater“ – in dem Audioformat begleite ich BesucherInnen mit Sehbehinderung ins Theater, in Musicals oder Revuen – und danach plaudern wir einfach darüber.

In dieser ersten Folge war ich gemeinsam mit Ugne unterwegs:
Wir haben uns die Inszenierung von „Il Gattopardo“ beim Theatertreffen im Haus der Berliner Festspiele angeschaut – ein opulentes Stück über den Wandel einer sizilianischen Adelsfamilie im 19. Jahrhundert.

Sie mit Audiodeskription auf dem Ohr, ich mit Blick auf die Bühne. Und das, was ihr jetzt hört, ist unser Gespräch – einmal in der Pause und später nochmal nach dem Stück, unten in der U-Bahn.

Kai: Na Ugne, und – wie war es jetzt?

Ugne: Ja schon eine längere Vorstellung. Es ist schön, die Beine zu vertreten draußen.

U: Spannend gemacht, finde ich, wie schnell alles gewechselt hat. Auch diese langen Zeiträume wurden sehr geschickt überspielt, sodass man im Nu drei, vier Monate oder ein halbes Jahr weiter war. Und der Fürst war für mich natürlich der spannendste Charakter.

Voice Over: Wir kommen dann relativ schnell auf einen spannenden Punkt: Wie unterschiedlich wir das Stück eigentlich wahrnehmen – visuell auf der einen Seite und über Audiodeskription auf der anderen.

K: Was ich interessant fand: Es gab drei Anzeigen – eine über der Bühne und je eine rechts und links. Wenn Deutsch gesprochen wurde, lief die italienische Übersetzung, und wenn Italienisch gesprochen wurde, gab es die deutsche Übersetzung.

U: In der Audiodeskription hat sie das Lied übersetzt, was gesungen wurde.

U: Bei uns wurde das ja direkt ins Ohr übersetzt. Es gab ein paar kleine Abweichungen vom vorgesehenen Text – etwa, weil die Schauspieler frei interpretiert haben oder weil heute die Fürstin von einer Vertretung gespielt wurde. Zum Beispiel sollten sie sich an einer Stelle küssen – das haben sie aber nicht gemacht.

Voice Over: Schnitt: Stück ist vorbei. Jetzt, mit ein bisschen Abstand, wird das Gespräch auch nochmal grundsätzlicher. Ugne erzählt über die letzte Szene, in der der Leopard, der Fürst und pater familias, allein auf der Bühne ist.

K: Kurz vor 22 Uhr. Wir sitzen in der U-Bahn, und unsere Bahn kommt erst in einer Viertelstunde. Günstig erwischt.

U+K: Trotzdem interessant – auch dieser Monolog, obwohl er die ganze Zeit allein war und erzählt hat. Das hatte etwas Philosophisches, fast Zusammenfassendes: Was ist eigentlich wichtig im Leben? Was definiert man als wichtig? Und wenn man 73 Jahre lebt – hat man davon vielleicht nur zwei oder drei Jahre wirklich gelebt?

Voice Over: Wir reden dann auch nochmal über das Bühnenbild – das war nämlich ziemlich aufwendig.

U: Das Stück war auch eines der wenigen mit so viel Bühnenbild.

K: Es gab ja nicht nur die Hauptbühne, sondern auch den grünen Raum, den roten Raum und den roten Tunnel. Und dadurch, dass immer wieder Räume wie das Badezimmer, der Altar oder ein Arbeitszimmer hereingeschoben wurden, sind noch mehr Schauplätze entstanden.

U: Durch die Diener, die zur Inszenierung gehörten, konnten die Umbauten schnell erfolgen. Das Bühnenbild wurde zügig verändert – das fand ich wirklich gut gelöst.

Voice Over: Und gleichzeitig: kompletter Kontrast – Theater vorbei, zurück im echten Leben.

Schrei.

K: Ja, und hier haben wir wieder ein nettes „Bühnenpublikum“ … wir kommen gerade aus einer Kulturveranstaltung. Ruhe!

Eine Frage habe ich noch zur Audiodeskription: Bei den vielen Vorhängen und Szenenwechseln – wenn die Schauspieler erst gemeinsam und dann wieder einzeln aufgetreten sind – wurde da immer gesagt, welche Figur gerade kommt?

U: Ja, das wurde tatsächlich angesagt. Aber der Applaus war teilweise so laut und dumpf, dass ich kaum etwas verstanden habe. Ich habe die Kopfhörer dann auch abgenommen, weil sie nach der langen Zeit am Ohr etwas wehgetan haben. Und ich wollte ja trotzdem für jeden Einzelnen und alle zusammen klatschen.

Man hat gemerkt, dass das Publikum auf einige Darsteller besonders intensiv reagiert hat.

K: Der Pfarrer hat viel Applaus bekommen für seinen Humor.

U: Ja, der war lustig.

K: Und natürlich die Hauptrolle.

U: Ja die beiden waren toll besetzt, muss ich ehrlich sagen. Hat mir gut gefallen.

Voice Over: Und damit war’s das auch für heute. War ein richtig spannender Abend – und vor allem interessant zu sehen, wie unterschiedlich man ein und dasselbe Stück erleben kann.