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Ein Wolf, viele Rollen und ganz viel Gewusel

Posted in Allgemein

Mittwochmorgen, kurz vor 10 Uhr.
Während anderswo noch der erste Kaffee wirkt, ist im Theater an der Parkaue schon ordentlich was los. Schulklassen strömen ins Foyer, Rucksäcke werden abgestellt, Stimmen schwirren durcheinander – dieser Theaterbesuch beginnt alles andere als still. Heute steht „Wolf“ von Saša Stanišić auf dem Spielplan. Und ich, Franziska aus dem Projektteam Spielplan Audiodeskription, bin mittendrin und frage mich, wie dieses schnelle, körperliche Stück wohl für Kinder mit Sehbehinderung erfahrbar gemacht wird – und ob die Audiodeskription es schafft, mit dem Tempo der Inszenierung mitzuhalten.

Ankommen, anfassen, verstehen

Bevor es überhaupt losgeht, geht es zur Tastführung. Bei dem Angebot dürfen Schüler*innen mit Sehbehinderung auf die Bühne, Requisiten und Bühnenbild ertasten. Ein blinder Junge ist zusammen mit seinem sehenden Freund da – die beiden bewegen sich durchgehend im Doppelpack. Anfangs nähern sie sich den Requisiten eher vorsichtig und tasten sich Schritt für Schritt vor. Bei einem überdimensionalen Mooskissen fällt die Zurückhaltung dann spürbar weg: Beide lassen sich ohne großes Zögern hineinfallen. Dieser Moment wirkt gelöst, vertraut – und zeigt, wie wichtig solche Angebote für gemeinsames Erleben sind.

Lachen erlaubt

Kurz vor Beginn der Vorstellung sitzen die Schüler*innen mit Sehbehinderung schon aufmerksam in den vordersten Reihen und bekommen über Kopfhörer eine Einführung zum Stück: Bühne, Raum und Figuren werden beschrieben – klar, verständlich und genau im richtigen Tempo. Es gibt auch einen kleinen Hinweis für das junge blinde Publikum, dass es im Saal lebhaft zugehen wird – mit viel Gelächter und spontanen Reaktionen. Die Audiodeskription erklärt so nicht nur, was auf der Bühne passiert, sondern auch, was im Raum passiert. Und ja – dieses junge Publikum ist laut. Aber im besten Sinne. Es wird gelacht, gerufen, mitgefiebert. Ganz anders als in vielen „Erwachsenen“-Vorstellungen, wo eher ehrfürchtige Stille herrscht.

Wer ist wer?

„Wolf“ ist lebendig, direkt und nah dran an Themen, die Kinder (und ehrlich gesagt auch Erwachsene) beschäftigen: Mut, Freundschaft und die Frage, wie man sich verhält, wenn es drauf ankommt. Ohne zu viel zu verraten: Es ist spannend, es ist lustig – und manchmal auch ein kleines bisschen gruselig.

Das Besondere an dem Stück, das zunächst kurz für Verwirrung sorgt und dann richtig Spaß macht: Alle spielen alles. Die Schauspieler*innen wechseln ständig die Rollen. Zur Orientierung werden die zentralen Rollen klar eingeführt: Kemi fungiert als Erzähler, der das Geschehen begleitet – ein Junge, der Wandern blöd findet, Insekten eklig und mit dem Wald wenig anfangen kann. Trotzdem landet er in einem Ferienlager, gemeinsam mit seiner Klasse und auch mit Marko und dessen Clique, die gezielt andere zu Außenseiterinnen machen. Jörg ist einer von denen, die es trifft. Der Rollenwechsel wird dabei konsequent über Requisiten markiert: Die Person mit den weißen Kopfhörern ist jeweils Kemi, die mit dem weißen Rucksack Jörg. Für sehendes Publikum ist das schnell erkennbar. Für mich übernimmt das die Audiodeskription auf den Kopfhörern – und die ist beeindruckend präzise. Jeder Rollenwechsel wird punktgenau beschrieben. So bleibe ich immer im Bilde, auch wenn es auf der Bühne drunter und drüber geht.

Nach gut einer Stunde ist die Geschichte erzählt – aber noch nicht ganz vorbei. Denn es gibt eine Zugabe. Und die bringt nochmal richtig Schwung auf die Bühne: Rap, Tanz und nochmal eine ordentliche Portion Energie. Die Themen Mut, Freundschaft und Zivilcourage werden hier nochmal aufgegriffen – nur eben im Beat.

Mein Fazit

„Wolf“ ist schnell, klug und voller Energie. Ein Stück, das zeigt, wie gut Theater für junges Publikum funktionieren kann – ohne belehrend zu sein. Besonders beeindruckt hat mich, wie selbstverständlich die Audiodeskription integriert ist. Sie erklärt, begleitet und erweitert das Erlebnis, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Im Gegenteil: Sie macht sichtbar – über die Ohren.

Noch ein Tipp zum Schluss

Wer jetzt neugierig geworden ist: Am 26. April um 16 Uhr gibt es nochmal eine Vorstellung von „Wolf“ mit Audiodeskription im Theater an der Parkaue. Die Tastführung startet um 14:30 Uhr.  

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